Der Vatikan hat der Bitte der deutschen Bischöfe eine Absage erteilt: Auch künftig sollen nur Priester und Diakone die Homilie in der Eucharistiefeier halten dürfen.
Wer die Debatte verfolgt, könnte meinen, es gehe um eine liturgische Detailfrage. Tatsächlich geht es um weit mehr: um die Frage, wem die Kirche zutraut, das Evangelium auszulegen und öffentlich zu verkünden.
Die Begründung aus Rom lautet, die Homilie gehöre ihrem Wesen nach zur Eucharistie und deshalb zum Weiheamt. Für mich klingt das zunächst nach Theologie. Bei näherem Hinsehen wirkt es eher wie Machtsicherung in theologischer Sprache. Eine historisch gewachsene und jahrhundertelang männlich definierte Struktur wird als unveränderlich und gottgewollt beschrieben. Das ist für mich kein theologisches Argument, sondern ein Zirkelschluss.
Besonders bemerkenswert finde ich einen Hinweis des Pastoraltheologen Christian Bauer: Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten sind keine bezahlten Ehrenamtlichen. Sie sind akademisch ausgebildet, kirchlich geprüft und bischöflich gesendet. Wenn sie predigen, dann nicht privat, sondern im Auftrag der Kirche.
Deshalb geht es in dieser Debatte nicht um Qualität. Nicht um Kompetenz. Nicht um Sendung. Es geht um Geschlecht und Weihe.
Ein ordinierter Mann, der die Gemeinde nicht kennt, die Sprache kaum spricht und nur für diesen Gottesdienst vor Ort ist, darf die Homilie halten. Eine bischöflich gesendete Frau, die dieselbe Gemeinde seit Jahren begleitet, kennt und mitträgt, darf es nicht.
Was mich daran traurig macht, ist nicht zuerst das Verbot.
Ich habe in Eucharistiefeiern gepredigt. Nicht heimlich. Nicht gegen die Kirche. Sondern mit Zustimmung meiner Verantwortlichen, im Auftrag meiner Diözese und im Dienst an den Menschen. Ich habe gepredigt. Menschen wurden berührt. Das ist geschehen.
Und nun entsteht der Eindruck, als habe das alles nie wirklich gezählt.
Nicht die Erlaubnis wird entzogen. Der Anspruch wird bestritten, dass das, was ich getan habe, überhaupt Homilie gewesen sein könne.
Das tut weh.
Und deshalb irritiert mich die Botschaft aus Rom so sehr: Nicht weil sie mir etwas wegnimmt, was ich künftig weiterhin gerne tun möchte. Sondern weil sie nachträglich in Frage stellt, was längst Wirklichkeit geworden ist.
Im Sinne der pastoralen Wirklichkeit hoffe ich, dass unsere Bischöfe sich davon nicht verunsichern lassen. Sie haben Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten ausgebildet, geprüft und gesendet. Sie haben ihnen Verantwortung übertragen und ihnen die Verkündigung des Evangeliums anvertraut.
Was einmal Wirklichkeit geworden ist, bleibt Wirklichkeit.

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