Heute Morgen hatte ich zum ersten Mal ein Huhn auf dem Arm.
Wir sind noch im Urlaub. Unser Vermieter Arne hat siebzig Hühner und ein riesiges Freilaufgelände – und heute durfte ich mit. Ein Huhn landete (mit Hilfe von Arne) auf meinem Arm. Weich. Ruhig. Einfach da.
Da stand ich dann. Mit meinem Huhn. Und staunte.
Über die Wärme und wie weich so ein Huhn ist. Über die Ruhe des Tieres. Über mich selbst, wie ich da stand und plötzlich nichts mehr wollte als genau das: das Huhn halten und staunen.
Und dann – Szenenwechsel. Ein aufgeschlagenes Ei auf dem Boden. Und siebzig Hühner, die sich mit einer Begeisterung darauf stürzten, die ich nur als kannibalisch beschreiben kann.
Theologie in zwei Akten, an einem Vormittag.
Akt eins: Das Staunen. Der Moment, in dem man nichts erklären, nichts einordnen, nichts “damit anfangen” muss. Einfach da sein, mit einem Huhn auf dem Arm – und das reicht.
Akt zwei: Die Zumutung. Dass das Leben selten nur weich und warm bleibt. Dass zur Schöpfung auch das Verstörende gehört. Und dass beides an einem Vormittag passieren kann, auf demselben Gelände, mit denselben Hühnern.

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