Tepel.katholischbeyond

  • Aufgefallen: Das Huhn

    Aufgefallen: Das Huhn

    Heute Morgen hatte ich zum ersten Mal ein Huhn auf dem Arm.

    Wir sind noch im Urlaub. Unser Vermieter Arne hat siebzig Hühner und ein riesiges Freilaufgelände – und heute durfte ich mit. Ein Huhn landete (mit Hilfe von Arne) auf meinem Arm. Weich. Ruhig. Einfach da.

    Da stand ich dann. Mit meinem Huhn. Und staunte.

    Über die Wärme und wie weich so ein Huhn ist. Über die Ruhe des Tieres. Über mich selbst, wie ich da stand und plötzlich nichts mehr wollte als genau das: das Huhn halten und staunen.

    Und dann – Szenenwechsel. Ein aufgeschlagenes Ei auf dem Boden. Und siebzig Hühner, die sich mit einer Begeisterung darauf stürzten, die ich nur als kannibalisch beschreiben kann.

    Theologie in zwei Akten, an einem Vormittag.

    Akt eins: Das Staunen. Der Moment, in dem man nichts erklären, nichts einordnen, nichts “damit anfangen” muss. Einfach da sein, mit einem Huhn auf dem Arm – und das reicht.

    Akt zwei: Die Zumutung. Dass das Leben selten nur weich und warm bleibt. Dass zur Schöpfung auch das Verstörende gehört. Und dass beides an einem Vormittag passieren kann, auf demselben Gelände, mit denselben Hühnern.

  • Im Museum – zwischen den Schritten

    Im Museum – zwischen den Schritten

    Eigentlich gehe ich selten ins Museum.
    Aber „Art.Science.Fiction“ versprach Begegnungen an den Rändern des Denkbaren. Also ging ich hin.

    In der ersten Halle: Schwarze Löcher. Die Darstellung des Undarstellbaren. Bilder für etwas, das sich nicht zeigen lässt.

    Je länger ich davor stand, desto mehr schien mir das Vertraute darin zu liegen: Nicht alles, was wirklich ist, lässt sich abbilden. Nicht alles, was trägt, lässt sich festhalten.

    Vielleicht liegt die Wahrheit solcher Bilder gerade darin, dass sie ihr Scheitern nicht verbergen. Sie zeigen etwas, indem sie zeigen, dass es sich nicht zeigen lässt.

    Weiter durch die Hallen, vorbei an einer kommunizierenden nordfriesischen Miesmuschel (dazu ein anderes Mal, oder auch nicht).

    Dann: “Galopp.dot”. Der Sekundenbruchteil, in dem ein galoppierendes Pferd alle vier Hufe zugleich in der Luft hat. Schwebend. Kein Huf berührt die Erde. Noch nicht angekommen. Nicht mehr abgestoßen.
    Ein Moment ohne Ort. Zwischen zwei Sicherheiten.

    Und plötzlich schien mir dieser Augenblick vertraut.
    Vielleicht entstehen die wichtigsten Dinge genau dort: im Übergang. Dort, wo eine Grenze überschritten wird und noch nicht klar ist, was auf der anderen Seite wartet.

    Zwei Bilder. Ein schwarzes Loch. Ein schwebendes Pferd.
    Beide erzählen von etwas, das sich dem Zugriff entzieht.
    Und vielleicht beginnt genau dort Begegnung.